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MÄCHTE Nummer 1: Macht
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MÄCHTE Nummer 1
„Was niemals aus Gewehrläufen kommt ist Macht.“
Dieser Satz entstammt Hannah Arendts berühmter Unterscheidung von Macht und Gewalt. Nach Arendt wirkt Macht auf subtile Weise. Für den Fall, dass die Regeln der Macht nicht befolgt werden, drohen zwar durchaus Konsequenzen. Aber die Macht der Herrschenden rührt gerade daher, dass keine Gewalt angewendet wird.
Macht funktioniert, wenn die hintergründigen Motivations- und Sanktionsszenarien ihre Ziele erreichen, ohne Drohungen wahr machen zu müssen. Wird offene Gewalt angewendet, ist Macht bereits abwesend.
In diesem Verständnis von Macht nehmen unsere Kommunikations- und Ausdrucksräume – mit einem Wort unsere Öffentlichkeiten – eine besondere Stellung ein. Denn in ihnen kann man die Spuren der Macht verfolgen und deuten. Genau das unternehmen die Autoren unserer ersten Ausgabe anhand der unterschiedlichsten Phänomene.
Populäre Sphären Denken
Ulf Heuner erklärt uns, warum grundsätzlich der Zuschauer im Theater und Fernsehen herrscht und wie andere Kräfte diese Herrschaftsverhältnisse ändern möchten. Christoph Ahlers schreibt über die Macht (des Wortes) Sex und unsere Unfähigkeit, über Sex zu reden.
Zehn Jahre nach Dianas Tod ist es für Peter Demetrius Zeit für eine geschriebene Totenmaske der Frau, die auf unsere Herzen immer noch mächtig wirkt. Christian Kupke lädt ein zu einem besonderen Duell: Französische Dekonstruktion trifft auf amerikanische Western – namentlich: Jacques Derrida trifft auf „The man who shot Liberty Valance“.
Hilma Sack und Alexander Schug starten zu einem Rundflug über die Erinnerungslandschaft der Berliner Republik und ihre Machtbauten – vom Palast der Republik zum Stadtschloss. Siegfried M. Wald verkündet das endgültige Ende der Vorstellung vom „Volk ohne Raum“, wenn er das neue Lebensgefühlt der Deutschen als ein "Volk mit Entspannungsraum" beschreibt.
Mit seinem Medientagebuch skizziert Stephan May das Prinzip No-Name-Nazi. Katrin Deibert versucht sich an heutigen Helden. Marc Rölli stellt sich unseren Machtfragen.
Hören und Sehen
Mit seinen virtuosen Detailbeschreibungen des Stils von Tocotronic zeichnet Christian Kupke die Entwicklung der machtkritischen Band nach. Leila Rani analysiert die Macht der Melancholie in den Liedern Peter Lichts. Sirius Oliver Schwarz erläutert das ganz besondere Prinzip der Freude in der Musik von Trio, die sich den Gesetzen des Rock ’n’ Roll entzieht.
Alexa Thimm befragt Jim Rakete über die Macht der Bilder. Als Kompensation zur Herrschaft der Gruppentiere zeigen wir in unserer Bildstrecke einige Einzelkämpfer des Sports – in Aktion und Pose. Vanessa Karré erfreut uns mit mit ihrem Street-Art-Comic „Immer muss ich draußen warten“. Und Friedrich Weltzien schreibt über Bilder, die von selbst entstehen, unter anderem von Gabriele Leidloff und Edgar Lissel.
Amerika Denken
Dorothea Jahn ruft sich und uns die ewigen Wiederholungen des bisher wohl mächtigsten Bildes unseres Jahrhunderts ins Gedächtnis – des Bildes 9/11. Theo Klein liest den Irakkrieg als eine Warnung an die letzte Supermacht. Stephan May ordnet das Ereignis Guantánamo in die amerikanische Kriegsbildpolitik ein.
Welten Weiten
In unserem Essaywettbewerb fragen wir, was im Osten Europas in den letzten Jahrzehnten wirklich geschah. Alexandra Weltz beschreibt, was Sie mit ihrem Filmteam bei Drehversuchen in der chinesischen IT-Industrie erlebt hat. Jörg Röder hat einen surrealen Reisebericht aus St. Petersburg mitgebracht. Sandy Haessner dokumentiert die positive Kraft des Hiphop im Senegal – mit ihren Fotos von und Interviews mit Rapstars aus Dakar.